Irre Web-Performances: Musik mit Schauwert

Musik klingt, Musik will gehört werden. Und wenn es noch ein schickes Video dazu gibt, die Lieblingsband sogar live vor uns steht, dann bekommt auch das Auge etwas geboten. Interessantes Aussehen, Gitarrenschwenken und das Aufführen der größten Hits bedeuten aber längst nicht das Ende der Performance-Fahnenstange. Manche Musikerinnen und Musiker spicken ihre Darbietungen derart mit akustischen und visuellen Schauwerten, dass die Art und Weise des Vortrags wichtiger wird als das gespielte Stück.

Das Internet erweist sich hier als wahre Fundgrube. Von Livemitschnitten einiger Bühnenauftritte, die man sonst nie gesehen hätte, bis zu atemraubenden Schlaf- und Wohnzimmer-Happenings reicht das Spektrum der kleinen Perlen, die permanent durch die sozialen Netzwerke gereicht werden. Da ist zum Beispiel der unscheinbare Junge, der in einer Fußgängerzone auf umgedrehten Eimern eine Drum-Performance hinlegt, dass einem Hören und Sehen fast schon wieder vergehen – komplett mit Eimerverschieben und Drumstick-Rotieren-Lassen:

Dann ist da der Komiker Michael Winslow, der nur ein Mikrofon und einen unscheinbaren Assistenten an der akustischen Gitarre braucht, um brachiale Hardrock-Klassiker wie Whole Lotta Love von Led Zeppelin fast originalgetreu zum Leben zu erwecken:

Apropos Hardrock: Ist das noch Rockmusik oder schon höhere Artistik – und damit ein Fall für den Frankfurter „Tigerpalast“? 2 Cellos nennen sich zwei kroatische Cellisten, die Headbanger-Hits wie Thunderstruck von AC/DC wie harmlose Kinderlieder erscheinen lassen. Man fragt sich unweigerlich, wann das Cellospiel endlich zur olympischen Disziplin erklärt wird.:

Außerordentliche Körperbeherrschung beweisen auch diese vier jungen Menschen hier, die mit dem Aufsetzen und Weiterreichen von ein paar simplen Bechern die rhythmische Basis für ihren feinen A-Cappella-Gesang legen. Soll mal einer sagen, Männer wären nicht genauso multitaskingfähig wie Frauen. Schmalz und Schmelz hin und her – der Cup Song – You’re Gonna Miss Me When I’m Gone gehört zu den schönsten Sommervideos:

Die Kombination aus musikalischer Virtuosität und – schon, ja – Akrobatik wird im folgenden Video noch etwas weitergetrieben. Salut Salon nennen sich vier Künstlerinnen aus Hamburg, die hier ihr Können in einen vielschichtigen Wettstreit verpacken. Absolut sehens- unds hörenswert:

Was aber, wenn man keine Mitstreiterinnen oder Mitstreiter hat, also ganz auf sich allein gestellt ist? Dann nimmt man sich eben modernste Technik zu Hilfe. Und übt so lange, bis man es locker drauf hat, live und unplugged zigfach mit sich selbst im Chor zu singen. Schade dass das Video einer jungen Engländerin, die in ihrem Wohnzimmer eine faszinierende Live-Coverversion des komplexen Songs Cough, Cough der Art-Rock-Band Everything Everything dahinzaubert, im World Wide Web nicht mehr aufzufinden ist – möglicherweise ist es für unsereins gesperrt. Aber es gibt ja noch Künstlerinnen wie Kawehi, die ihre Sache ähnlich beeindruckend machen. Für eine Coverversion von Michael Jacksons The Way You Make Me Feel loopt Kawehi ihre Stimme mehrfach und erzeugt so die Illusion eines ganzen Chors – und das in ihrem Schlafzimmer. Mindestens so spannend wie ihre Performance ist die Frage: Wie hat sie es nur geschaft, dass die beiden Hunde an ihrer Seite so friedlich lauschen?

Das letzte Netzvideo schließt den Kreis zum Beginn dieses Eintrags. Es geht einmal mehr um Percussion, aber diesmal nicht um Trommelstöcke und Eimer. Nein, sämtliche Drumsounds werden allein mit dem Mund bzw. dem Atemapparat des Menschen erzeugt. Als Human Beatboxes inszenieren sich Künstler wie Tom Thum, der wohl zu den Besten seines Fachs gehört. Das letzte Video in diesem kleinen Sommer-Special ist zwar etwas länger, aber man schaut es fasziniert vom Anfang bis zum Ende:

Von Tom Thum gibt es außerdem Videos, in denen er parallel zum Beatboxen auch noch breakdanct – aber das ist wieder eine andere Geschichte…

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